Die französische Finanzaufsicht erhöht den Druck auf Krypto-Unternehmen. Firmen ohne MiCA-Lizenz müssen bis Ende Juni eine Zulassung erhalten oder den Betrieb einstellen.
Photo Credit: Unsplash/Guillaume Périgois
Frankreich fordert von Krypto-Unternehmen bis Ende Juni eine MiCA-Lizenz oder die Einstellung ihrer Geschäfte.
Die Autorité des Marchés Financiers (AMF) hat gewarnt, dass Krypto-Unternehmen, die ohne eine MiCA-Lizenz (Markets in Crypto-Assets) in Frankreich tätig sind, bis zum 30. Juni die erforderlichen Genehmigungen erhalten oder ihre Geschäftstätigkeit im Land einstellen müssen. Bei einer Presseveranstaltung betonte AMF-Präsidentin Marie-Anne Barbat-Layani diese Frist und erklärte, dass betroffene Unternehmen geordnete Abwicklungspläne vorlegen müssen, um Kunden auszugliedern und ihre Aktivitäten einzustellen.
Nach den MiCA-Vorschriften der Europäischen Union (EU) kann ein Krypto-Dienstleister eine Lizenz in einem der 27 EU-Mitgliedstaaten erwerben und diese anschließend auf andere Mitgliedsländer übertragen („Passporting“).
Laut einem Bericht von Reuters rückt die MiCA-Frist immer näher, während innerhalb der EU Diskussionen über Lizenzanforderungen und die Frage zunehmen, ob die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) eine zentralisierte Kontrolle über die Krypto-Regulierung übernehmen sollte.
Die in Paris ansässige ESMA spielt bereits eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Finanzmärkte. Eine stärkere Zentralisierung könnte jedoch den Mitgliedstaaten regulatorische Kompetenzen entziehen und Bedenken hinsichtlich des sogenannten „Passporting“ von Lizenzen innerhalb der EU verstärken.
Während der Paris Blockchain Week 2026 erklärte Peter Kerstens, Berater für technologische Innovation, digitale Transformation und Cybersicherheit in der Finanzdienstleistungsabteilung der Europäischen Kommission, dass die Kommission MiCA überprüfen und eine öffentliche Konsultation starten werde. Ziel sei es festzustellen, ob die Vorschriften den Marktteilnehmern helfen und die Geschäftsentwicklung fördern.
Bereits im September 2025 hatte Frankreich eine harte Haltung gegenüber der Krypto-Branche eingenommen und gewarnt, dass Unternehmen mit Lizenzen aus anderen EU-Ländern möglicherweise von Aktivitäten in Frankreich ausgeschlossen werden könnten. Französische Regulierungsbehörden argumentierten damals, dass das „Passporting“-System Schlupflöcher schaffen könnte, da Unternehmen gezielt Länder mit weniger strengen Aufsichtsstandards auswählen würden.
Barbat-Layani erklärte zudem, dass einige Unternehmen „regulatorisches Shopping“ betreiben, indem sie Lizenzen in Ländern mit lockereren Vorschriften beantragen.
Während Unternehmen nun versuchen, rechtzeitig Lizenzen zu erhalten oder Abwicklungspläne vorzubereiten, könnten die kommenden Monate mehr Klarheit darüber schaffen, wie das Passporting-System in der Praxis funktioniert und wie die regulatorischen Zuständigkeiten zwischen nationalen Behörden und EU-Institutionen verteilt werden. Das Ergebnis dürfte auch zukünftige Diskussionen über Aufsicht, Marktzugang und Compliance-Standards im europäischen Kryptosektor beeinflussen.
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