Pentagon stuft Anthropic nach Streit über KI-Nutzung als Lieferkettenrisiko ein
Das US-Verteidigungsministerium hat das KI-Unternehmen Anthropic offiziell als Lieferkettenrisiko eingestuft. Das berichten unter anderem Bloomberg unter Berufung auf einen ranghohen Pentagon-Beamten. Die Entscheidung folgt auf mehrere Wochen Konflikt zwischen der Regierung und dem Unternehmen über die Nutzung von künstlicher Intelligenz durch das Militär.
Anthropic-CEO Dario Amodei hatte sich geweigert, die KI-Modelle des Unternehmens für Massenüberwachung von US-Bürgern oder vollständig autonome Waffen ohne menschliche Kontrolle zur Verfügung zu stellen. Das Pentagon argumentierte dagegen, dass die Nutzung von KI im Verteidigungsbereich nicht durch einen privaten Auftragnehmer eingeschränkt werden sollte.
Die Einstufung als Lieferkettenrisiko ist eine schwerwiegende Maßnahme, die normalerweise gegen ausländische Gegner eingesetzt wird. Mit dieser Bezeichnung müssen Unternehmen oder Behörden, die mit dem Pentagon zusammenarbeiten, bestätigen, dass sie keine KI-Modelle von Anthropic in Projekten für das Verteidigungsministerium einsetzen.
Die Entscheidung könnte sowohl das Unternehmen als auch die Arbeit des Militärs beeinflussen. Anthropic gehört zu den wenigen KI-Firmen mit klassifizierungsfähigen Systemen. Das KI-Modell Claude wurde unter anderem in militärischen Anwendungen wie Palantirs Maven Smart System eingesetzt, das große Datenmengen für militärische Operationen analysiert.
Kritiker bezeichnen den Schritt des Pentagons als beispiellos. Einige Technologie- und Politikexperten warnen, dass die Einstufung eines amerikanischen KI-Unternehmens als Lieferkettenrisiko aufgrund eines politischen Streits ein problematisches Signal für die Technologiebranche senden könnte.
Der Konflikt hat auch innerhalb der KI-Branche für Spannungen gesorgt. Während Anthropic die Forderungen des Pentagons ablehnte, schloss OpenAI eine eigene Vereinbarung mit dem Verteidigungsministerium. Diese erlaubt dem Militär, die KI-Systeme des Unternehmens für „alle rechtmäßigen Zwecke“ zu nutzen.
Amodei bezeichnete die Maßnahmen der Regierung als „vergeltend und strafend“. Anthropic plant nun, die Entscheidung vor Gericht anzufechten. Nach Angaben des Unternehmens betrifft die Einstufung vor allem Verträge mit dem Pentagon, während die meisten anderen Kunden weiterhin normal mit Anthropic zusammenarbeiten können.
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